Sunday, May 29, 2005

Larry McVoy und die panische Angst vor Konkurrenz

(Dieser Eintrag ist ein kleiner Abstecher, da er ausnahmsweise mal nicht von meinen eigenen Erfahrungen mit Linux berichtet...)

Ein jüngst in Forbes erschienener Artikel outet Larry McVoy, Gründer und CEO von BitMover, als "OpenSource-Ketzer". McVoy bezeichnet OpenSource singemäss als untragbar, nicht zu Innovationen fähig und von den Zuwendungen seitens der Hardware-Industrie abhängig. OpenSource sei nur zu Reverse Engineering fähig, weil das billiger sei, als etwas neues zus schaffen.

Ich weiss nicht, ob man McVoy als "Ketzer" bezeichnen sollte. "Troll" ist meiner Meinung nach die korrekte Bezeichnung. Selbst die Oberen von Microsoft sondern in letzter Zeit nicht soviel Schwachsinn ab wie McVoy in diesem Artikel. Normalerweise würde man diesen Typen kalt ignorieren und in die Gruppe der Blödquassler einreihen, wo er dann Leuten wie Rob Enderle Gesellschaft leistet. Die traurige Tatsache, dass der Linux-Kernel bis vor Kurzem mit McVoys Produkt "BitKeeper" verwaltet wurde, hinterlässt allerdings einen sehr bitteren Nachgeschmack; und es stellt sich die Frage, mit wem sich Linux Torvalds hier eingelassen hat und warum der Typ soviel Schwachsinn absondert, obwohl er es doch eigentlich besser wissen müsste.

Die Antwort auf die letzte Frage ist einfach: McVoy hat panische (ja, panische) Angst davor, dass BitKeeper Konkurrenz durch ein OpenSource-Produkt erwachsen könnte. Eine Projekt in der Größe des Linux-Kernels zu hosten war für ihn praktisch, einerseits wegen der Publicity und andererseits wegen der Erfahrungen mit einem Projekt dieser Größe. Und er konnte auf diese Weise vermeiden, dass die OpenSource-Gemeinde dringenden Bedarf verspürte, selbst so ein System zu schreiben. Aber jetzt, da Linux nicht mehr im BitKeeper liegt, wird die OpenSource-Gemeinde zwangsläufig Ersatz schaffen müssen.
Und eines ist historisch betrachtet klar: Werkzeuge für die Softwareerstellung (wozu im weiteren Sinne auch Versionsverwaltungssysteme zählen) sind die Art von Software, die OpenSource-Programmierer gerne, schnell und gründlich produzieren. Schon alleine aufgrund des Eigenbedarfs. McVoy weiss, dass die riesige Manpower der OpenSource-Gemeinde jetzt, wo Feuer am Dach ist, sehr schnell ein System auf die Beine stellen wird, das den proprietären BitKeeper rasch in den Schatten stellen wird. Vor diesem Hintergrund sind auch die kontrafaktischen Anti-OpenSource-Äußerungen von McVoy im Forbes verständlich: Die unausweichlich kommende Konkurrenz für BitKeeper wird ein OpenSource-Produkt sein.

Wednesday, May 25, 2005

wieder mal dotgnu, und das Experiment

Rein technisch gibt's ja eigentlich nix neues von dotgnu zu berichten, aber aus der Anwendersicht schon: Die Applikation, die ich mit Hilfe von dotgnu auch unter Linux zum Laufen gebracht habe, geht demnächst im grossen Stil Betrieb. Nicht besonders überraschend, dass bei den Tests der letzten Wochen noch ein paar Fehler aufgetaucht sind. Sehr erfreulich, dass sich alle diese Fehler mit Hilfe von dotGnu reproduzieren und orten liesen. Da macht sich die Mühe, die ich mir beim Fehlersuchen und Patchen von dotGnu gegeben habe, rasch bezahlt...
Aber nun zu etwas ganz anderem, dem "Experiment". Vor wenigen Tagen habe ich bei Bekannten von mir auf einen neu angeschafften PC Linux installiert. Vorher hatte die Familie einen uralten Win95-PC der Pentium-Klasse. Nun ist der PC auf Dual-Boot eingerichtet, und ich bin schon gespannt, wie gut Linux von den Leuten angenommen wird, wieviele (Umstellungs-)Schwierigkeiten sie haben werden und wer dann noch wieviel in Windows machen wird. Meine Vermutung: der Familienvater wird Linux ignorieren und sich Windows mit diversen Programmen aus seltsamen Quellen zupflastern, bis nix mehr geht. Seine Gattin wird bei Linux bleiben und Windows keine Beachtung schenken. Die Tochter wird vermutlich hin- und hergerissen werden, mal sehen... momentan hat Linux bei ihr die Nase vorne, weil ich natürlich die ganzen Spielchen a'la Frozen-Bubble auf der Kiste installiert habe, Kinder sind ja so leicht zu bestechen ;-)